55.000 € für eine aufbereitete EQS-Batterie: eine Warnung an Käufer gebrauchter Luxus-Elektroautos
Ein Mercedes EQS mit 300.000 km braucht Berichten zufolge eine neue Batterie, das Angebot gilt für ein nicht neues Paket. Luxus-Elektroautos brauchen transparente Ersatzpreise.
KI-generiertes Bild
Was ist ein elektrisches Luxusauto wert, wenn sein teuerstes Bauteil keinen veröffentlichten Preis hat? Das ist die Frage hinter der jüngsten Geschichte um den Mercedes EQS, und wir halten sie für wichtiger als den Schockeffekt der Zahl.
Das ist der Stand. Motor.es berichtet, dass ein Mercedes EQS mit 300.000 km eine Batterie benötigt. Das Angebot der Marke beläuft sich auf 55.000 €, und das angebotene Paket ist nicht neu. Der Grundpreis des Autos liegt laut Berichterstattung über 100.000 €. Autojournal schreibt, es handle sich um einen EQS 450+ in Kroatien, der mit einer Batterie im Endstadium in die Werkstatt EV Clinic kam. Die Antworten von Mercedes ließen die Zukunft des Wagens demnach offen.
Darüber hinaus ist die Dokumentation dünn. Uns liegen weder eine Aufschlüsselung des Angebots noch der Zustand des Pakets oder die genaue Ausfallursache vor. Wir argumentieren auf Basis des Vorhandenen und kennzeichnen eigene Meinungen als Meinungen.
Das Problem ist nicht der Ausfall, sondern die Intransparenz
Dass eine Batterie nach 300.000 km verschleißt, ist kein Skandal. Das ist eine hohe Laufleistung, und ein Aggregator, Voltchek, beziffert die durchschnittliche Degradation des EQS auf etwa 1,5 % pro Jahr, basierend auf nur 12 Datenpunkten. Das ist ein grober Richtwert, kein Urteil. Dass ein Paket bei extremer Laufleistung ausfällt, belegt nicht, dass die Technik fragil ist.
Störend finden wir das Risiko, dass ein Besitzer den Preis der wichtigsten Komponente seines Autos erst erfährt, wenn das Auto bereits steht. Wer einen Verbrenner fährt, weiß ungefähr, was ein Austauschmotor kostet, und hat unserer Ansicht nach mehr Spielraum für Vergleiche. Wir vermuten, dass ein Elektroauto-Besitzer, der ein Paket tauschen muss, am Ende ein Friss-oder-stirb-Angebot aus einer einzigen Quelle bekommt. Premiummarken sollten unseres Erachtens Richtpreise für den Austausch je Modell veröffentlichen und angeben, ob das Paket neu, wiederaufgearbeitet oder aufbereitet ist. In dieser Marktklasse ist das das Mindeste.
Ein aufbereitetes Paket für 55.000 € ist schwer zu vermitteln
Das schmerzhafte Detail ist „nicht neu“. 55.000 € für ein Teil zu zahlen, das nicht neu ist, ist eine Zumutung, und die offenen Fragen häufen sich: Wie lange hält es, und welche Garantie gibt es dazu? Wir wissen es nicht, und die uns vorliegenden Quellen sagen es nicht.
Unserer Ansicht nach kann ein aufbereitetes Paket grundsätzlich sinnvoll sein. Wiederverwendung ist besser als Verschrottung, und wir glauben, dass die Branche sie brauchen wird. Aber der Preis muss dem Produkt entsprechen. Kostet das aufbereitete Paket so viel, werden Käufer vermutlich annehmen, dass ein neues weit mehr kostet. Diese Unsicherheit könnte die Restwerte im gesamten Segment beschädigen.
Was Gebrauchtkäufer jetzt tun sollten
Die Garantie ist das Sicherheitsnetz, und sie sollte man prüfen. Eine Sekundärquelle, Tarantas, gibt an, die Garantie von Mercedes laufe beim EQS und EQE bis zu 10 Jahre oder 250.000 km. Falls das stimmt, läge ein Auto mit 300.000 km jenseits der Kilometergrenze. Genau dieser Käufer könnte vor einem Angebot wie diesem stehen.
Unser Rat ist daher einfach:
- Die verbleibende Batteriegarantie als Teil des Preises betrachten und von einem Fahrzeug mit hoher Laufleistung ohne Garantie die Finger lassen, außer der Preisnachlass ist groß.
- Vor der Unterschrift ein Gutachten zum Batteriezustand (State of Health) verlangen, nicht danach.
- Gedanklich einen Betrag für den Paketwechsel zurücklegen. Die 55.000 € sind ein Datenpunkt, keine Regel, zeigen aber die Größenordnung, der man ausgesetzt sein könnte.
Fazit
Dieser einzelne EQS ist eine Anekdote, und Anekdoten können in die Irre führen. Doch unseres Erachtens offenbart er eine strukturelle Schwäche: Luxus-Elektroautos werden mit ausgefeiltem Marketing und intransparenter Wirtschaftlichkeit nach Ablauf der Garantie verkauft. Mercedes und die Konkurrenz können das mit veröffentlichten Preisen, klaren Definitionen aufbereiteter Pakete und längerer Garantie beheben. Bis dahin sollten Gebrauchtkäufer die Batterie einpreisen und den Preis des Autos entsprechend drücken.
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