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Drivesfera-Redaktion
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GACs 1.000-km-Batterie ist eine Schlagzeile, kein Kaufgrund

Ein Reichweitenversprechen von 1.000 km sagt wenig, solange es nicht auf echten Straßen getestet ist. Ladegeschwindigkeit und Preis entscheiden über den Nutzen einer Batterie.

Veröffentlicht
28. Oktober 2026
Lesezeit
3 min
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Foto: G. Edward Johnson / Wikimedia Commons (CC BY 4.0)

Wie oft kann ein Autohersteller 1.000 km Reichweite ankündigen, bevor die Zahl nichts mehr bedeutet? GAC testet gerade, wo diese Grenze liegt. Die Zahl ist groß, rund und lässt sich bestens teilen. Wir haben sie aber schon oft gesehen, und jede neue Runde von Schlagzeilen verlangt, dass wir erneut beeindruckt sind.

Die Zahl ist nicht neu, und das ist das erste Warnsignal

Die uns vorliegenden Unterlagen deuten auf eine lange Vorgeschichte hin. CnEVPost berichtete, GAC plane, 2026 Festkörperbatterien in Serienfahrzeuge der Marke Hyper einzubauen, Modelle, die laut GAC problemlos mehr als 1.000 Kilometer Reichweite erzielen können. Andere Seiten beschreiben eine Pilotlinie für Zellen mit mehr als 60 Ah, deren Fahrzeugtests für 2026 angesetzt sind, sowie eine Produktionslinie, die die Reichweite von 500 km auf mehr als 1.000 km steigern soll. Diese Seiten sind undatiert, wir können daher nicht sagen, welchen Stand GAC heute tatsächlich erreicht hat.

Schaut man weiter zurück, wirkt die Zahl noch weniger beeindruckend. Gaadiwaadi vermerkte, dass der GAC Aion LX Plus, dessen Marktstart in China für den 6. Januar 2022 angesetzt war, im CLTC-Zyklus bereits mit mehr als 1.000 km angegeben wurde. Erreicht wurde das in der Topversion mit einem Akkupaket von 144,4 kWh. Das ist ein anderer Weg zur gleichen Schlagzeile: kein Durchbruch bei der Zellchemie, sondern schlicht ein sehr großer Akku.

Dieser Kontrast ist der Kern der Sache. Eine Angabe von 1.000 km kann von einem riesigen oder von einem dichteren Akku stammen. Sie kann aus einem Testzyklus stammen oder aus anhaltender Autobahnfahrt. Die Schlagzeile verrät nicht, was zutrifft, und diese Unschärfe kommt unserer Einschätzung nach dem Unternehmen, das die Behauptung aufstellt, sehr gelegen.

Ein Labormeilenstein ist noch kein Auto, das man kaufen kann

Wir wollen fair bleiben. Die Festkörpertechnik ist eine ernsthafte Wette, und die technischen Probleme sind real. Ein Bericht von ScienceDaily über Forschung des KAIST zeigt, wie schwierig der nächste Schritt bei der Energiedichte ist. Anodenfreie Konstruktionen speichern mehr Energie auf weniger Raum, doch ihre Lebensdauer wird durch nadelartige Lithiumstrukturen begrenzt. Die Lösung erforderte eine Strukturierung im Nanomaßstab, die aus der Halbleiterfertigung stammt. Diese Arbeit betrifft anodenfreie Zellen, eine andere Technologie als die von GAC beschriebenen Festkörperzellen, daher vergleichen wir beide nicht direkt. Sie zeigt aber unserer Ansicht nach, wie weit eine vielversprechende Zelle von einer langlebigen entfernt sein kann.

Auch Reichweitenangaben haben ihr Kleingedrucktes. Die Berichterstattung von Electrek über ein weiteres chinesisches Festkörper-Debüt nannte dessen 1.000-km-Wert als CLTC-Reichweite bei einer Energiedichte von 350 Wh/kg. CLTC ist ein Wert aus einem Testzyklus. Wir meinen, dass jeder Käufer ihn als Obergrenze verstehen sollte, nicht als Zusage für den eigenen Arbeitsweg.

Auffällig ist auch, was in den GAC-Ankündigungen und -Berichten, die wir gefunden haben, fehlt: ein Preis, eine Ladezeit, eine Angabe zur Zyklenfestigkeit oder ein Liefertermin für Kunden. Diese Lücken sprechen für sich. Nach unserer Erfahrung damit, wie die Branche ihre Produkte vermarktet, stellt ein Unternehmen, das die für Käufer wichtigen Zahlen vorweisen kann, diese in der Regel an den Anfang.

Was die Kaufentscheidung wirklich verändert

Die meisten Fahrer legen keine 1.000 km am Stück zurück. Ab einer gewissen Reichweite haben zusätzliche Kilometer einen stark abnehmenden Nutzen. Im Alltag schmerzen dagegen langsames Laden auf der Urlaubsfahrt, ein Akku, der früh an Kapazität verliert, oder ein Listenpreis, der steigt, weil das Batteriepaket teuer ist. Eine große Reichweitenzahl, die mit einem hohen Preis einhergeht, ist ein Luxusmerkmal. Für den Massenmarkt ist sie kein Fortschritt.

Unsere Empfehlung lautet daher: Warten Sie nicht auf ein Auto mit 1.000 km Reichweite, und zahlen Sie auf Basis einer Pressemitteilung keinen Aufpreis dafür. Sobald ein echtes GAC-Fahrzeug mit dieser Batterie bei Kunden ankommt, sollten drei Fragen gestellt werden: Was kostet es, wie schnell lädt es, und welche Reichweite ermitteln unabhängige Tests außerhalb des CLTC-Zyklus? Solange es darauf keine Antworten gibt, sollte man die 1.000-km-Angabe als Prognose behandeln. Es ist eine interessante Prognose, und GAC könnte durchaus liefern. Aber ein Versprechen ist kein Produkt, und die Schlagzeile hat sich Ihr Geld noch nicht verdient.

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