Fiat Grande Panda für 53,33 € im Monat: Schnäppchen oder Köder?
Ein Leasing unter 60 € für den elektrischen Grande Panda mit 322 km Reichweite wirkt wie das ersehnte günstige E-Auto – doch Anzahlung, Laufleistung, Gebühren und Laufzeit entscheiden.
Foto: Alexander Migl / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)
Ist ein neues Elektroauto mit 322 km Reichweite für 53,33 € im Monat das Ende des Arguments „E-Autos sind zu teuer“? Oder ist es eine Schlagzeile, die vor allem für Screenshots gemacht ist? Wir tendieren zu Letzterem – zumindest, bis der Vertrag auf dem Tisch liegt.
Was der Teaser tatsächlich sagt
Das Angebot stammt von netzwelt, das den Fiat Grande Panda aufführt, und zwar in der Topausstattung La Prima für 53,33 € im Monat. Das Auto hat 113 PS, eine 44-kWh-Batterie und 322 km Reichweite. Zum Vergleich: GoingElectric nennt für das Modell eine WLTP-Reichweite von bis zu 320 km und einen Einstiegspreis von 24.990 €.
Mehr gibt die Recherche nicht her. Aus den vorliegenden Ausschnitten gehen weder Anzahlung noch Laufzeit, Jahreslaufleistung oder Überführungskosten für diesen Panda hervor. Was er wirklich kostet, können wir daher nicht sagen – und wir tun auch nicht so. Genau diese Lücke ist die Geschichte.
Eine niedrige Monatsrate ist eine Marketingzahl, kein Preis
Ein Blick darauf, wie deutsche Medien andere „günstige“ Leasingangebote desselben Tages einordnen: Bei einem Dacia Sandero Stepway für 99 € im Monat fällt zwar keine Anzahlung an, dafür aber eine einmalige Bereitstellungsgebühr von 1.099 € bei 36 Monaten Laufzeit und 5.000 km pro Jahr. Gesamtkosten: 4.663 €, effektiv also 129,53 € im Monat. Jeder Mehrkilometer kostet sechs Cent.
Dann gibt es noch den BYD Seal 6 für 169 €. Mit Anzahlung und Überführung kommt netzwelt bei vier Jahren Laufzeit auf 289,25 € im Monat. Zudem berichtet das Portal, das Auto werde auf Bestellung gebaut, die Lieferzeit betrage fünf bis sechs Monate.
Das Muster ist eindeutig: Die beworbene Rate liegt tendenziell unter den tatsächlichen Kosten, in diesen beiden Fällen um etwa 30 und 70 %. Ob der Panda diesem Muster folgt, wissen wir nicht. Eine so niedrige Rate sollte aber misstrauisch machen, nicht euphorisch. Unserer Einschätzung nach stützt sich eine Rate von 53,33 € bei einem Auto, das bei 24.990 € beginnt, wahrscheinlich auf eine erhebliche Anzahlung, eine knappe Laufleistung – oder beides. Das ist eine Vermutung, und der Vertrag kann uns widerlegen.
Bei der Laufleistung wird ein E-Auto-Leasing teuer
Beide Vergleichsangebote begrenzen die Fahrleistung auf 5.000 km pro Jahr, rund 14 km am Tag. Gilt für den Panda eine ähnliche Grenze, spielt die Reichweite von 322 km kaum eine Rolle: Selbst eine Ladung pro Woche würde man selten brauchen. Dann wäre das ein Zweitwagen für kurze Stadtfahrten und nicht das „erschwingliche E-Auto für alle“, das die Schlagzeile nahelegt.
Das ist in Ordnung, solange es ehrlich kommuniziert wird. Ein kleines Elektroauto mit überschaubarer Batterie ist ein gutes Stadtfahrzeug. Wir kritisieren, dass es als Antwort auf den Massenmarkt für E-Autos verkauft wird, obwohl das Angebot womöglich nur für Menschen funktioniert, die kaum fahren.
So lässt sich das Angebot vor der Unterschrift prüfen
Rechnen Sie wie netzwelt: Anzahlung und Gebühren zu allen Monatsraten addieren, durch die Zahl der Monate teilen und mit dem Listenpreis vergleichen. Als Faustregel gilt bei netzwelt: Ein Gesamt-Leasingfaktor unter 0,6 ist gut, unter 0,5 stark. Prüfen Sie außerdem die Kosten pro Mehrkilometer, ob die Überführung enthalten ist und wie lange die Lieferzeit dauert.
Unser Urteil: Der Grande Panda für 53,33 € ist ein berechtigter Grund, genauer hinzusehen, aber kein Grund zu unterschreiben. Liegen die Gesamtkosten über die volle Laufzeit nahe am effektiven Preis des Sandero oder darunter, hat Fiat etwas wirklich Interessantes. Verbirgt sich hinter der Zahl eine hohe Anzahlung, ist es ein Köder mit hübschem Logo. Fragen Sie nach den Gesamtkosten, bevor Sie nach der Reichweite fragen.
Noch keine Themen: Eröffne das erste.
Weitere Artikel
Der LFP-Wechsel von Stellantis ist die richtige Lösung für günstige E-Autos, nur spät
Der Umstieg europäischer E-Autos auf günstigere LFP-Zellen 2027 packt das eigentliche Kostenproblem an, doch beim Zeitplan und den unbezifferten Nachteilen ist Skepsis angebracht.
Britische Pro-Meile-Steuer für E-Autos: fairer als eine Pauschale, wenn drei Dinge stimmen
Die britische Pro-Meile-Steuer für E-Autos könnte Vorbild für andere Länder sein – wenn Datenschutz, transparenter Meilenpreis und Schutz der Early Adopter stimmen.
Gebrauchte E-Autos: Die Angst vor Pannen verliert ihre Belege
Eine britische Analyse von 47,4 Millionen Prüfungen legt nahe: E-Autos mit hoher Laufleistung fallen seltener durch als Benziner. Die Kilometerangst scheint die falsche Zahl zu sein.
GACs 1.000-km-Batterie ist eine Schlagzeile, kein Kaufgrund
Ein Reichweitenversprechen von 1.000 km sagt wenig, solange es nicht auf echten Straßen getestet ist. Ladegeschwindigkeit und Preis entscheiden über den Nutzen einer Batterie.



