Skodas günstigerer Epiq ist die richtige Idee – aber es muss ein echtes Auto sein
Weniger Leistung und Reichweite, damit der Epiq Easy 35 in Deutschland nur 25.900 € kostet, ist clever. Schwerer ist der Beweis, dass das Basismodell mehr ist als ein Lockvogelpreis.
KI-generiertes Bild
Wie günstig muss ein Elektroauto sein, damit es kein Luxus mehr ist, sondern ein normaler Kauf? Skoda scheint zu glauben, dass die Antwort irgendwo um 25.000 € liegt, und der neue Epiq Easy 35 ist der Versuch, genau dort zu landen.
Die Fakten sind schnell erzählt. Der Easy 35 ist der Einstieg in die Epiq-Baureihe, mit 116 PS (85 kW) und einer 38,5-kWh-LFP-Batterie, die laut GoingElectric bis zu 325 km weit reicht. In Deutschland kann er ab 25.900 € bestellt werden. Für Spanien fragt Motor.es in der Überschrift lediglich, ob dort der Epiq für 25.000 Euro kommt; einen bestätigten spanischen Preis gibt es in dem, was uns vorliegt, also nicht. In Tschechien startet das Basisauto laut Autohled bei 619.000 Kč inklusive Mehrwertsteuer, in der Ausstattung Essence.
Leistung zu kürzen war der leichte Teil; ehrlich zu kürzen ist schwerer
Der Ansatz gefällt uns. Jahrelang wurde die Debatte über Elektroautos von immer größeren Batterien und immer größeren Zahlen bestimmt, während diejenigen, die einen Zweitwagen oder einen Erstwagen brauchen, einfach nur eine monatliche Rate wollen, die sich rechnet. Unserer Ansicht nach sind 116 PS für einen kleinen SUV, der sein Leben in der Stadt und auf dem Arbeitsweg verbringt, völlig ausreichend. Wer dieses Auto kauft, jagt keiner Beschleunigungszeit von 0 auf 100 km/h hinterher.
Die 325 km sind die Zahl, auf die es ankommt. Es ist ein WLTP-Wert, und die Reichweite im Alltag dürfte wie üblich niedriger ausfallen. Ob das genügt, hängt vom Nutzer ab. Für einen Haushalt mit eigener Einfahrt oder einer Ladesäule am Arbeitsplatz erscheint sie mehr als ausreichend. Wer mit einem einzigen Auto alles abdecken will, einschließlich Urlaubsfahrten auf der Autobahn, muss Kompromisse eingehen. Mein-Elektroauto verweist genau auf diesen Zielkonflikt: viel Platz, aber ein längerer Schnellladestopp. Wir würden ergänzen, dass ein kleiner LFP-Akku bei Kosten und Haltbarkeit eine vernünftige Wahl ist, die Ladegeschwindigkeit dadurch aber wichtiger wird, nicht unwichtiger.
Die Gefahr ist eine Lockvogel-Ausstattung
Hier liegt unsere eigentliche Sorge. Autohersteller werben seit jeher mit einem Einstiegspreis, den kaum jemand zahlt, und lenken die Kunden dann zur besser ausgestatteten Version. Wenn der Easy 35 das Auto aus der Überschrift ist, der Epiq, den die Leute tatsächlich nach Hause fahren, aber mehrere tausend Euro mehr kostet, wirkt die Strategie wie ein Lockangebot, und das damit gewonnene Vertrauen verfliegt.
Um das zu vermeiden, muss Skoda das Basisauto wie ein fertiges Produkt wirken lassen. Das heißt: eine vernünftige Ausstattungsliste, die Alltagstauglichkeit, die der Epiq verspricht (475 Liter Kofferraumvolumen laut Sparneuwagen), und eine klare Verfügbarkeit beim Händler, nicht nur im Konfigurator. Es heißt auch, beim spanischen Preis Klartext zu reden, denn ein Fragezeichen in einer Überschrift ist keine Zahl, die ein Käufer unterschreiben kann.
Chinesische Konkurrenten kennen keine Nachsicht
An Interesse am Epiq mangelt es Skoda nicht. Eldiario berichtet von 60.000 Bestellungen für den Epiq in Europa, davon etwa 1.500 in Spanien – vor den 51.000 für den Cupra Raval und den 50.000 für den Volkswagen ID. Polo, die als Geschwister zur selben Familie urbaner Elektroautos gehören. Gebaut wird er in Navarra, was ihm wohl jene europäische Herkunft verleiht, die zollskeptische Käufer schätzen.
Die uns vorliegenden Quellen nennen nicht, wie sich diese Bestellungen auf die Versionen verteilen; wir können also nicht sagen, wie viele auf den günstigen Easy 35 entfallen. Wir vermuten, dass sie vor allem das Interesse am Auto, wie es angekündigt wurde, widerspiegeln und nicht an dieser konkreten Ausstattung. Chinesische Marken haben ihr Europa-Angebot darauf aufgebaut, mehr Ausstattung pro Euro zu bieten, und wir wollen hier nicht vorgeben, ihre Preise Zahl für Zahl zu vergleichen. Sagen können wir: Ein Auto mit 116 PS und 325 km Reichweite wird an jedem großzügigen Datenblatt gemessen, das auf der Händlerseite daneben steht. Skodas Argument muss Vertrauen, Praktikabilität und ein vernünftiges, gut gebautes Gesamtpaket sein, nicht nur ein Schlagzeilenpreis.
Unser Fazit
Die Ausstattung zu beschneiden, um in die Region um 25.000 € zu kommen, ist der richtige Schritt und für den Massenmarkt wohl überfällig. Ob der Easy 35 gewinnt oder verliert, entscheidet sich nicht auf dem Papier, sondern daran, ob ein Käufer zum Händler gehen, ihn zu ungefähr dem beworbenen Preis bestellen und das Gefühl haben kann, ein vollwertiges Auto bekommen zu haben. Gelingt Skoda das, hat es den Sweet Spot der gesamten Familie gefunden. Ist die günstige Version schwer zu finden, dünn ausgestattet oder von Land zu Land unterschiedlich bepreist, wird sie das sein, was wir befürchten: eine gute Schlagzeile, die an einem anderen Auto hängt. Unser Rat an Käufer: den endgültigen Preis inklusive aller Kosten erfragen, das Ladeverhalten prüfen und erst dann entscheiden, ob das günstig genug ist.
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