Rivians zweiter Platz bei E-Autos beruht auf Transportern – ein wackliges Fundament
Rivian sprang bei den US-Elektromarken von Platz 10 auf Platz 2, doch die Transporter trugen die Last, während der R1 einbrach. Das eigentliche Signal des Marktes ist weniger schmeichelhaft.
Foto: Chevrolet / sala de prensa (uso editorial)
Ist Rivians Sprung auf Platz zwei ein Zeichen, dass die Amerikaner das Abenteuer-E-Auto ins Herz geschlossen haben? Nicht wirklich. Wer auf die Zahlen schaut, erkennt: Es geht weniger um Wochenend-Abenteurer als um Lieferrouten.
Das ist passiert. Rivian lieferte im dritten Quartal 2026 19.248 Fahrzeuge aus, wie The Cool Down berichtet, und stieg damit von Platz 10 auf Platz 2 unter den amerikanischen Elektromarken auf – vor Chevrolet. Die Schätzung von Cox Automotive liegt mit 19.239 praktisch gleichauf, das entspricht einem Marktanteil von 7,2 %. GM insgesamt, also Chevrolet, Cadillac und GMC zusammen, verkauft weiterhin mehr E-Autos.
Entscheidend ist ein Detail: Gewerbliche Transporter machten 8.469 Einheiten aus, ein Plus von 220,9 % gegenüber dem Vorjahr. Riviantrackrs Auswertung der Cox-Daten beziffert ihren Anteil auf rund 44 % aller Rivian-Auslieferungen, während R1S (5.582) und R1T (1.732) um 31,8 % beziehungsweise 27,2 % zurückgingen.
Das Podium ist real, doch die Geschichte dahinter ist eine Flottengeschichte
Abwinken sollte man hier nicht. Rivian wuchs um 45,7 % in einem Markt, der laut denselben Cox-Zahlen im Quartal um 39,5 % schrumpfte. Seit Jahresbeginn liegt Rivian 26,8 % im Plus, während der Markt 30,3 % verliert. In einem schlechten Jahr zu den wenigen wachsenden Marken zu gehören, ist eine Leistung.
Aber eine Marke, die die Leute begeistert, sollte das bei ihren Flaggschiffen zeigen. Bei Rivian war es umgekehrt: Die R1-Modelle für Privatkunden schrumpften. Das ist aus unserer Sicht der unbequeme Teil der Schlagzeile. Das „Enthusiasten“-Geschäft hat das Ranking nicht bewegt. Die Transporter taten es, und The Cool Down bringt sie mit Rivians Zusammenarbeit mit Amazon und weiteren Flotten- und Logistikkunden in Verbindung.
Flottennachfrage ist stabil – bis sie es nicht mehr ist
Flotten kaufen nach Tabellenkalkulation. Das ist eine Tugend: Ihnen sind Betriebskosten wichtig, nicht die Aura einer Marke. Es ist aber auch ein Risiko. Bestellungen kommen oft in Schüben, hängen von wenigen Großkunden ab und können pausieren. Wir halten einen Markt, der von einem einzigen Kundentyp getragen wird, für anfälliger als einen mit vielen Käufern; wie sich Rivians Transporterbestellungen entwickeln, verrät die Dokumentation allerdings nicht.
Im Gesamtbild ist die Lage in den USA ernüchternd. Bei einem Markt, der in einem Quartal um rund 40 % schrumpft, und bei nachlassender E-Auto-Nachfrage über alle GM-Marken hinweg sagen die 19.248 Auslieferungen des Zweitplatzierten wenig über die Massentauglichkeit aus. Platz zwei in einem schrumpfenden Kuchen ist immer noch ein kleineres Stück, als es klingt.
Der R2 ist der eigentliche Test – und hat ihn noch nicht bestanden
Die hoffnungsvollere Zahl lautet 3.456: die Auslieferungen des R2 in seinem ersten vollen Verkaufsquartal, laut Cox allesamt in der teureren Ausstattung Performance. Das übertrifft bereits die gesamte Marke Lucid im Quartal mit 2.708. Der Autor von Riviantrackr erwartet, dass der R2 im vierten Quartal mehr Exemplare absetzt als der R1S – eine Prognose, keine Tatsache, aber eine plausible.
Unsere Wette: Der R2 macht aus Rivian von einer Geschichte aus Transportern und einem Nischen-SUV eine Verbrauchergeschichte. Vermutlich erklärt er auch einen Teil des R1-Rückgangs, da Käufer nun günstiger in die Marke einsteigen können. Diese Kannibalisierung ist unproblematisch, wenn das R2-Volumen wächst. Wenn nicht, überdecken die Transporter einen schwächeren Kern.
Rivian hat zudem seine Jahresprognose für die Auslieferungen bekräftigt, so eletric-vehicles.com. Bei 41.009 Fahrzeugen seit Jahresbeginn nach Cox-Zählung vermuten wir, dass das vierte Quartal einen Großteil der Last tragen muss.
Unser Urteil
Freuen Sie sich über die Schlagzeile, aber verstehen Sie sie nicht als Beleg dafür, dass amerikanische Käufer E-Autos wieder angenommen haben. Verstehen Sie sie als Beleg dafür, dass Flotten derzeit die verlässlichsten E-Auto-Käufer sind und Rivian gut positioniert war, sie zu gewinnen. Im vierten Quartal sollte man nicht aufs Ranking achten, sondern auf den Mix: Steigen die R2-Auslieferungen, während die Transporter stark bleiben, hat Rivian ein tragfähiges Geschäft. Trägt erneut der Transporter das Quartal, ist das Podium ein Darlehen, keine Trophäe.
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