BMW iX5: Die 10-Minuten-Ladung zählt mehr als die Reichweite – mit einem Haken
Die 363 km in 10 Minuten sind beim iX5 wichtiger als die 845 km Reichweite – aber nur, wenn die real verfügbaren Ladesäulen eine Kurve nahe der Demo liefern.
Foto: BMW Group / sala de prensa (uso editorial)
Wer braucht noch 800 km Reichweite, wenn ein Kaffeestopp 363 km zurückgibt? Diese Frage wirft der neue BMW iX5 60 xDrive auf, und wir glauben, dass die Antwort für das reichweitenfixierte Datenblatt unbequem ist.
Die Fakten in Kürze: BMW hat am iX5 60 xDrive gemeinsam mit IONNA und Alpitronic Laden mit bis zu 460 kW demonstriert, wie Kapitalmarktexperten berichtet. BMW selbst bezeichnete dies als Technologiedemonstration und nicht als Ladehardware, die derzeit in den USA verfügbar ist. Bei dieser Spitzenleistung, so Electric & Hybrid Vehicle Technology, lädt das Auto bis zu 226 Meilen (363 km) in 10 Minuten nach.
Die Ladegeschwindigkeit verändert das Verhalten
Reichweite ist eine Komfortzahl. Ladezeit ist eine Verhaltenszahl. Der iX5 hat laut Schmidtis Blog eine nutzbare Batteriekapazität von 141,2 kWh und bis zu 845 km nach WLTP, und die US-Website von BMW nennt geschätzte 435 Meilen. Diese Werte sind beeindruckend, sagen aber vor allem, wie selten man anhalten muss. Eine Ladung von 10 auf 80 Prozent in rund 22 Minuten sagt, was ein Stopp kostet – und genau das lässt eine lange Reise normal wirken.
Wir meinen: Das ist die eigentliche Schwelle für Skeptiker des Elektroautos. Ohne Pause fährt ohnehin niemand 800 km. Ein Auto, das aus einer Toiletten- und Kaffeepause Hunderte Kilometer macht, lässt den riesigen Akku fast als Luxus statt als Notwendigkeit erscheinen. Aus unserer Sicht sollte sich das E-Auto-Marketing der nächsten Jahre um Minuten drehen, nicht um Kilometer.
Die Schlagzeilenzahl ist ein Spitzenwert, kein Versprechen
Hier treten wir auf die Bremse. „Bis zu 460 kW“ ist ein Spitzenwert, kein konstantes Leistungsniveau. Kapitalmarktexperten weist auf dasselbe hin: Ein Spitzenwert lässt sich nicht einfach in eine Ladezeit übersetzen.
Die unabhängigen Daten fallen nüchterner aus. Die E-Auto-Datenbank ev-database.org nennt 460 kW als Maximum, aber 275 kW im Durchschnitt für 10 bis 80 Prozent, bei einem Stopp von 23 Minuten. Die Ladekurvenseite von evkx.net mit Datum 10. Oktober zeigt 23 Minuten und 55 Sekunden für 10 bis 80 Prozent. Das sind Einträge und keine eigenen Tests, aber sie weisen in dieselbe Richtung: Die 22 Minuten halten als Bestfall stand, und die Durchschnittsleistung liegt weit unter der Schlagzeilenzahl.
Das ist kein Skandal, so funktioniert jedes Schnellladen. Es heißt aber, dass man nach der Kurve fragen sollte: wie lange das Auto hohe Leistung hält und bei welchem Ladezustand. Die 363 km in 10 Minuten sind das beste Stück dieser Kurve. BMWs eigene technische Daten nennen nach 10 Minuten eine Spanne von 298 bis 363 km – der obere Wert ist also tatsächlich der obere Wert.
Der Engpass ist jetzt die Ladesäule, nicht das Auto
Interessanter ist das schwächste Glied. Nach BMWs eigener Darstellung ist die 460-kW-Hardware nichts, woran die meisten US-Fahrer heute laden können. Schmidtis Blog zufolge braucht das Auto an 400-kW-Ladern immer noch nur 23 bis 24 Minuten; der Nachteil schwächerer Hardware ist im oberen Bereich also gering. Doch je weiter man nach unten geht, desto mehr Fähigkeit des Autos bleibt ungenutzt. Ein Reddit-Nutzer nennt 180 Meilen in 16 Minuten an einem 400-V-Lader – eine Anekdote, die aber auf dasselbe Muster hindeutet.
Wer gewinnt also? Fahrer in der Nähe der ersten Standorte mit hoher Ladeleistung und die Ladepartner, die das vorführen können. Wer verliert? Wer den iX5 wegen der 460-kW-Zahl kauft und dann dort wohnt, wo der beste Lader nur einen Bruchteil davon liefert. Bei den von der Presse genannten Preisen – rund 102.000 € als Einstiegspreis in einem Bericht und 120.000 bis 125.000 € für den iX5 60 xDrive in Deutschland in einem anderen (die Quellen widersprechen sich, beide Angaben sind daher mit Vorsicht zu behandeln) – ist das ein teures Potenzial, das ungenutzt bleibt.
Unser Fazit
BMW hat recht: Ladegeschwindigkeit ist die neue Reichweite. Wir würden trotzdem nach der Kurve kaufen, nicht nach dem Spitzenwert. Vor der Unterschrift sollte man prüfen, welche Ladesäulen man wirklich nutzt, welche Leistung sie liefern und was unabhängige Tests von 10 auf 80 Prozent ergeben. Lautet die Antwort „ein 400-kW-Lader in der Nähe“, wirkt das Versprechen des iX5 real. Lautet sie „was eben am Einkaufszentrum steht“, ist die größte Zahl im Prospekt eine Demo. Die Technik verdient das Lob; die Infrastruktur muss es sich noch verdienen.
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