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Drivesfera-Redaktion
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Bentley Torcal mit 888 PS: ein Statement – entscheidend ist das Bentley-Gefühl

Die Torcal First Edition zeigt: Luxuskäufer wollen Spektakel und Stille zugleich. Doch PS sind der leichte Teil – schwer ist es, ein Elektroauto nach Bentley anfühlen zu lassen.

Veröffentlicht
24. Oktober 2026
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3 min
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Foto: Porsche / sala de prensa (uso editorial)

Braucht tatsächlich jemand einen Sprint auf 100 km/h in 2,9 Sekunden in einem Auto, das zum Gleiten gebaut ist? Natürlich nicht. Und genau deshalb ist Bentleys erstes Elektroauto, der Torcal, interessanter als seine Schlagzeilenzahl.

Die Fakten sind schnell erzählt. Bentley hat den Torcal in zwei Versionen vorgestellt, und der Torcal S ist laut Bentleys eigener US-Seite der leistungsstärkste Serien-Bentley aller Zeiten: 876 bhp (888 PS / 653 kW) und 1.350 Nm (996 lb ft), ein Wert, den luxe.net mit der Launch Control verknüpft. Die First Edition ergänzt eine Karbon-Optik, 22-Zoll-Räder und, wie Electric Cars Report schildert, ein Naim-System mit 28 Lautsprechern und 1.780 Watt. Einen Preis für die Edition nannte diese Mitteilung nicht.

888 PS sind eine Visitenkarte, kein Bedarf

Niemand kauft einen Bentley wegen der Rundenzeiten. Der Torcal S legt gegenüber dem Plug-in-Hybrid Continental GT Speed mehr als 100 PS und 350 Nm obenauf, wie luxe.net festhält. Das ist bemerkenswert im Namen der Energiewende, und unserer Meinung nach verrät es, was die Marke glaubt: Elektrifizierung ist eine Chance, die eigene Vergangenheit an Muskelkraft zu übertreffen, nicht, sich in Demut zu üben.

Wir finden das ehrlich und leicht absurd zugleich. Elektrisches Drehmoment ist billig zu haben; der Standard-Torcal leistet bereits 821 PS. Die zusätzlichen 67 PS sind da, damit das Topmodell „das stärkste aller Zeiten“ sagen kann. Nennen wir es, was es ist: ein Statement.

Die First Edition verkauft Stille so laut wie Tempo

Aufschlussreicher an der First Edition ist alles, was nicht der Motor ist. Elektrische Türen, schaltbares Schiebedach, Wellness-Vordersitze, belüftete Rücksitze, Sitz-Transducer und Dolby Atmos 7.1.4. Das ist ein Auto, das eine Lounge mit sehr schnellem Boden sein will.

Wir lesen darin die Kombination, die Luxuskäufern angeboten wird: Spektakel und Stille zugleich. Ohne Motorklang wird der Innenraum zum Produkt, und Bentley scheint sein Budget entsprechend einzusetzen. In der Berichterstattung findet sich sogar ein offenes Detail: Laut AutoScout24 erhalten Käufer, die den W12 oder V8 vermissen, eine mit Musikern entwickelte Klangrekonstruktion. Luxus habe seine Kompromisse, so das Portal. Wir würden ergänzen, dass ein synthetischer Soundtrack ein riskanter Anker für eine Traditionsmarke ist.

Die Plattform ist geteilt, der Charakter muss erarbeitet werden

Hier wird die These auf die Probe gestellt. Mehrere Medien, darunter moniteurautomobile.be, berichten, der Torcal basiere auf einer weiterentwickelten Version der PPE-Plattform des Volkswagen-Konzerns, die er sich mit dem Porsche Cayenne Electric teilt: eine Batterie von rund 113 kWh, eine 800-Volt-Architektur und Laden mit bis zu 400 kW. Aktive Dämpfer und eine Hinterachslenkung gehören zur Serienausstattung.

Ist das ein Problem? An sich nicht. Luxusmarken teilen seit jeher Hardware. Aber es heißt, dass das Datenblatt kein Unterscheidungsmerkmal sein kann, weil ein Verwandter das meiste davon hat. AutoScout24 beziffert den Torcal S First Edition auf 284.350 €, rund 110.000 € mehr als den Cayenne Electric Turbo, der dort mit 1.156 PS geführt wird. Das muss man sich genau ansehen: Das teurere Auto ist das schwächere. Was auch immer dieser Aufpreis kauft – Zahlen sind es nicht.

Was also sollte er kaufen? Bentley spricht laut luxe.net von „müheloser“ Kraft: Leistung, die stets verfügbar, aber nie brutal ist. Diese Lesart gefällt uns, denn es ist der richtige Auftrag. Elektro macht es leicht, schnell zu sein, und schwer, unverwechselbar zu sein. Die Elemente, die die Identität tragen können, sind jene, die Bentley selbst abstimmt: Fahrkomfort, Lenkung, Klang, Materialien. Physische Metallschalter und die bewusste Entscheidung gegen einen Beifahrerbildschirm, beides von AutoScout24 erwähnt, sind kleine Zeichen dafür, dass man in Crewe darüber nachdenkt.

Beurteilen können wir davon allerdings noch nichts. Reale Reichweite, Ladekurve und das Verhalten des aktiven Fahrwerks sind uns unbekannt, und unabhängige Fahrberichte liegen im uns vorliegenden Material nicht vor. Die genannten 600 km nach WLTP sind ein Anhaltspunkt, kein Versprechen.

Unser Fazit

Vergessen Sie die 888. Wer als Käufer in Frage kommt, sollte dem Standard-Torcal drei Fragen stellen, bevor er den Preis einer First Edition zahlt: Fühlt sich die Fahrt gelassen an? Ist der Innenraum leiser als in einem sehr guten Porsche? Klingt es nach der Marke oder nach einer Playlist? Die Version mit 821 PS könnte durchaus die klügere Wahl sein.

Für Bentley hat die Leistungszahl ihren Zweck erfüllt: Sie hat Aufmerksamkeit erzeugt. Die nächste Aufgabe ist schwerer und weniger fotogen.

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