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Ferraris wahrer Gegner in Mexiko trug ebenfalls Rot – Vasseur muss handeln

Ferrari hatte die Pole und das Tempo zum Sieg in Mexiko-Stadt, verlor aber mit 0,799 Sekunden Rückstand auf Verstappen. Das Problem: die erste Runde und fehlende klare Regeln.

Veröffentlicht
2. November 2026
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4 min
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Wie viele Siege kann ein Team verschenken, bevor es zugibt, dass der Gegner auf der anderen Seite der Box sitzt? Ferrari kam mit einer Pole-Position und, nach Lewis Hamiltons eigener Einschätzung, dem schnelleren Auto im Rennen zum Großen Preis von Mexiko-Stadt – und reiste mit einem zweiten Platz ab, der bitter schmeckte.

Das ist passiert: Hamilton startete von der Pole, und Charles Leclerc, der von Platz drei losfuhr, überholte ihn in der ersten Runde. Es kam zu einer Berührung, und Leclerc erhielt später eine Fünf-Sekunden-Strafe, weil er sich durch das Abkürzen einen Vorteil verschafft hatte. Laut dem Bericht von Adnkronos wies der Kommandostand Leclerc an, vorn zu bleiben und den Platz später zurückzugeben, doch Max Verstappen hatte sich da schon zwischen die beiden geschoben. Verstappen gewann, Hamilton wurde mit 0,799 Sekunden Rückstand Zweiter. Leclerc kam nach Absitzen seiner Strafe als Vierter ins Ziel.

Die Anweisung vom Kommandostand war die falsche Art von Klarheit

Man lese die Funkanweisung noch einmal: vorne bleiben, der Platz wird zurückgegeben. In der Theorie ist das eine vernünftige Regel. In der Praxis fordert sie einen Fahrer auf, den mit Gewalt eroberten Platz zu behalten, während der andere zusieht, wie ein Rivale durch die Lücke schlüpft. Es ist eine Anweisung, die nach dem Schaden kommt und nichts löst.

Hamilton sagt, das Fahrerbriefing sei eindeutig gewesen: Wer in der ersten Kurve weit geht, gibt den Platz zurück. Er verwies auch darauf, dass er im vergangenen Jahr für ein ähnliches Manöver eine 10-Sekunden-Strafe erhalten habe. Das Briefing können wir von hier aus nicht überprüfen, und Leclerc hat, wie Formula1.com berichtet, eingeräumt, die Strafe verdient zu haben. Doch wenn Hamiltons Darstellung stimmt, gab es eine Regel, ein Fahrer brach sie, und die Reaktion des Teams auf der Strecke war uneindeutig. Das ist ein Managementfehler, kein Rennunfall.

Vasseur hat beim Thema Respekt recht – aber nur, wenn er nicht bei der Standpauke stehen bleibt

Fred Vasseur hielt sich nicht zurück. Laut Racer warf er beiden Fahrern mangelnden Respekt gegenüber den Mitarbeitern und der Marke Ferrari vor; andere Medien zitieren ihn mit den Worten, der verlorene Sieg sei „schwer zu verdauen“, und mit dem Hinweis, dass ihr Handeln rund 2.000 Beschäftigte betreffe. Wir halten diese Haltung für berechtigt. Ein Team, das eine Saison lang auf seine erste Pole des Jahres 2026 hinarbeitet, sollte sie nicht auf wenigen hundert Metern verpuffen sehen.

Aber eine öffentliche Rüge ist der billige Teil der Mitarbeiterführung. Der teure Teil ist, die Regeln schriftlich festzulegen, bevor die Ampel ausgeht: Wer gibt nach, in welcher Kurve, und wer darf mitten im Rennen entscheiden? Ohne das ist die nächste Kollision in der ersten Runde nur eine Frage des Wann, nicht des Ob.

Das Urteil von The Race geht in dieselbe Richtung. Im Anrisstext heißt es, Ferrari habe offenbar die „riesige rote Flagge von Monza“ übersehen: Wer seine Fahrer in der ersten Runde hart fahren lässt, zahlt dafür. Wir würden ergänzen: Mexiko-Stadt war keine Überraschung, sondern eine Wiederholung.

Keiner der beiden Fahrer kommt ungeschoren davon

Es ist verlockend, Leclerc zum Bösewicht zu machen. Er griff in der ersten Runde an, bekam die Strafe und hat sie nach eigenem Eingeständnis verdient. Die italienische Presse benotete ihn hart: Leggo gab seinem Tag eine 5 und nannte ihn verwirrt.

Aber auch Hamiltons Funk war kein Muster an Gelassenheit. Zuerst sagte er, sein Teamkollege habe ihn nach draußen gedrängt, dann behauptete er in Runde 25, die Rennleitung wolle, dass Leclerc gewinne, und ihm sei ein Sieg gestohlen worden. Die Strafe selbst widerlegt das: Leclerc wurde sanktioniert, die Sportkommissare taten, was sie tun sollten. Dampf abzulassen ist menschlich, doch wenn ein Fahrer öffentlich die Offiziellen für eine Niederlage verantwortlich macht, die nach seiner eigenen späteren Schilderung mit einem teaminternen Zwischenfall begann, trübt das nur die Geschichte, die Ferrari erzählen muss.

Zu seinen Gunsten: Hamilton schloss mit dem konstruktiven Aufruf zu „ernsthaften Gesprächen“ im Team und betonte, das Auto habe sich erheblich verbessert und seine Hoffnungen für die kommende Saison hingen von einer Antriebseinheit ab, die mit den Rivalen mithalten könne. Das ist die richtige Lesart. Das Chassis wirkt wie ein Fundament, auf dem sich aufbauen lässt. Der Motor ist die andere Baustelle.

Unser Urteil

Ferrari hat in dieser Episode kein Geschwindigkeitsproblem. Es hat ein Führungsproblem. Vasseur sollte vor den Wintertests drei Dinge tun: interne Regeln für Zweikämpfe in der ersten Runde festlegen, genau benennen, wer einen Positionstausch anordnen darf, und beide Fahrer mit denselben Konsequenzen belegen. Schöne Reden über Respekt gewinnen kein Rennen.

Unterdessen sicherte sich Kimi Antonelli am selben Wochenende für Mercedes den Titel – eine Erinnerung daran, wie ein gefestigtes Team aussieht. Ferrari kann das noch in Ordnung bringen. Aber wenn dieselben roten Autos im nächsten Jahr in derselben Kurve kollidieren, wird niemand mehr Pech dafür verantwortlich machen können.

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