Xpengs Sieg im deutschsprachigen Raum: Zufriedene Fahrer schlagen Prestige
Xpeng führt das Uscale-Zufriedenheitsranking 2026, Tesla ist wieder Zweiter, Skoda steigt auf Rang drei. Deutsche Premiummarken sollten das als Warnung lesen, nicht als Randnotiz.
Foto: Škoda / sala de prensa (uso editorial)
Was ist ein Markenzeichen wert, wenn die Besitzer das Auto lieber nicht weiterempfehlen würden? Das ist die unbequeme Frage hinter dem diesjährigen Zufriedenheitsranking von Uscale, und die Antwort fällt für große Teile der deutschen Autoindustrie nicht schmeichelhaft aus.
Für die siebte EV Satisfaction Study befragte die Stuttgarter Unternehmensberatung Uscale 4.004 Fahrerinnen und Fahrer von Elektroautos, die höchstens drei Jahre alt sind, in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Wie Elektroauto-News berichtet, würden 82 Prozent der Xpeng-Fahrer ihre Marke ausdrücklich weiterempfehlen. Tesla folgt mit 79 Prozent, nachdem die Marke im Vorjahr auf Platz sechs gefallen war. Skoda und Porsche erreichen jeweils 67 Prozent, Hyundai und BMW 63 Prozent.
Am Ende liegen MG, Fiat und Opel. Bei Opel sind nur 19 Prozent der Befragten Promotoren, 50 Prozent dagegen Kritiker. Audi gehört zu den vier Schlusslichtern, Volkswagen bleibt unter dem Durchschnitt. Eine Einschränkung ist wichtig: Die Teilnehmer wurden über soziale Medien gewonnen und sind, wie die Studie selbst sagt, nicht repräsentativ für den durchschnittlichen Autofahrer.
Zufriedenheit ist jetzt ein Software-Wettbewerb, und die Traditionshersteller liegen zurück
Unserer Lesart nach misst das Ranking nicht mehr, wer den besten Akku hat, sondern wer den Fahrern im Alltag die wenigsten Ärgernisse beschert. Reichweite und Ladeleistung verbessern sich: 59 Prozent berichten von einer realen Sommerreichweite von mindestens rund 400 km, im Vorjahr waren es 50 Prozent. Dennoch werden die Besitzer anspruchsvoller. Nur noch 58 Prozent bewerten das DC-Laden mit 150 kW als gut oder sehr gut, zuvor waren es 65 Prozent.
Die Lücke zeigt sich bei der Software. Über alle Marken hinweg melden 48 Prozent Probleme mit ihrer Connect-App. Bei Tesla berichten 8 Prozent der Besitzer von App-Problemen, bei Opel sind es 92 Prozent. Die Softwarequalität nannten die Befragten mit 44 Prozent als wichtigsten Verbesserungsbereich. Uscale-Gründer Axel Sprenger sagte gegenüber Vision Mobility, die Hersteller hätten bei Reichweite und Laden ihre Hausaufgaben gemacht, der Wettbewerb entscheide sich nun bei Software, Konnektivität und einem reibungslosen Ladeerlebnis.
Das passt schlecht zu den etablierten Herstellern. Software lässt sich kaum mit einem Facelift beheben, und genau dort stehen VW (mit seinen ID-Modellen und der App) und Audi in dieser Umfrage weiter in der Kritik. Das ist aus unserer Sicht das eigentliche deutsche Problem, mehr noch als jeder chinesische Preisvorteil.
Chinesisch heißt nicht zufrieden, Prestige auch nicht
Es wäre bequem, das Ergebnis als „Chinesische Autos gewinnen“ zu lesen. BYD und der Neuling Leapmotor landen im Mittelfeld, gleichauf mit Volkswagen und Renault, während Smart und MG deutlich dahinter einlaufen. Xpengs Vorsprung beruht auf konkreten Stärken: Die Besitzer loben Ladeleistung, Lademanagement und Reichweite, und die App hat sich deutlich verbessert. Das ist kein Herkunftseffekt, sondern gute Umsetzung. Xpeng hat weiterhin Schwächen, vor allem bei der Routenplanung und zunehmend beim Energieverbrauch.
Teslas Comeback ist ebenso aufschlussreich. Die Besitzer mögen Software, App und Routenplanung, auch wenn mehr als die Hälfte die Ladeleistung kritisiert. Vision Mobility führt die Rückkehr auf Platz zwei auf die Überarbeitung von Model 3 und Model Y zurück. Wir werten das als Zeichen dafür, dass Produktverbesserungen einen Ruf schneller reparieren können, als viele dachten. Das ist unsere Interpretation, nicht eine Aussage der Studie.
Skoda ist der stille Gewinner für Deutsche. Sein Elroq schlägt laut Studie den älteren Enyaq in fast allen Bereichen. Porsche punktet bei Ladeleistung und Verarbeitungsqualität, schneidet aber bei Software und Routenplanung unterdurchschnittlich ab. Mercedes-Benz wiederum verbessert sich mit den Modellen auf MMA-Plattform. Das deutsche Bild ist also gespalten, nicht hoffnungslos. Der Konzern wird für Inkonsequenz bestraft, nicht für mangelnde Ingenieurskunst.
Auf die Software achten, nicht auf das Markenzeichen
Deutsche Marken sollten besorgt sein, aber differenziert. Premium-Positionierung schützt den Absatz nur so lange, bis die Besitzer miteinander reden, und der Net Promoter Score ist genau dieses Gespräch. Wer ein Auto kaufen will, sollte über das Markenzeichen hinausschauen und App, Ladevorgang und Routenplanung prüfen, denn das ärgert die Besitzer am meisten. Und wer eine Traditionsmarke führt, sollte Software als das Produkt begreifen, nicht als Zubehör.
Noch keine Themen: Eröffne das erste.
Weitere Artikel
VWs 20.000-Euro-E-Auto ist das richtige Ziel, aber ein Ziel ist kein Preisschild
Der ID. EVERY1 von Volkswagen zielt auf den Preis, den Europa seit Jahren fordert. Ob er mit dieser Zahl beim Händler steht, ist die eigentliche Frage.
MG Go aus Spanien: Zollvermeidung – und der Preis ist der eigentliche Test
Mit der Fertigung des Go in Ferrol umgeht eine Marke in chinesischem Besitz die EU-Zölle und wirkt lokal. Doch ein Preis von 23.000 € muss erst 2028 überstehen.
Ferraris Luce für 560.800 Dollar verkauft ein Emblem, kein Elektroauto
Ferraris erstes E-Auto soll in Europa teurer werden als der V12-Purosangue. Die Marke versilbert Status und Knappheit; offen ist, ob Käufer ein E-Auto an der Spitze akzeptieren.
Der wahre Test des Range Rover Electric sind nicht 542 hp, sondern die Stille
Mit 542 hp, 333 Meilen und 800 Volt auf dem Papier sind die Daten Pflicht. Offen bleibt, ob leiser Komfort V8-Geld für einen Range Rover ohne Motor rechtfertigt.



