5 mm Verformung sollten einen Taycan-Besitzer nicht die Batteriegarantie kosten
Der Besitzer eines gebrauchten Taycan GTS sagt, Porsche wolle ihm wegen 5 mm Verformung die Batteriegarantie entziehen. Gebrauchtkäufer brauchen klare, einheitliche und prüfbare Regeln.
KI-generiertes Bild
Würden Sie für ein gebrauchtes Elektroauto zahlen, wenn die Garantie auf sein teuerstes Bauteil wegen einer Verformung von wenigen Millimetern erlöschen könnte? Diese Frage wirft ein Fall auf, der jeden beunruhigen sollte, der einen gebrauchten Stromer kaufen will.
Laut Motor.es sagt der Besitzer eines Porsche Taycan GTS, Porsche wolle ihm die Batteriegarantie wegen einer 5 mm großen Verformung an einer Schutzabdeckung entziehen. Der Titel besagt, er habe das Auto gebraucht gekauft und 24 Stunden später sei etwas passiert. Uns liegt nur ein kurzer Auszug des Artikels vor, was genau geschah, wissen wir daher nicht.
Einschränkung: Es handelt sich um die Schilderung eines einzelnen Besitzers. Die Sicht von Porsche, die Unterlagen oder eine unabhängige Begutachtung kennen wir nicht. Der Fall ist als Vorwurf zu verstehen, nicht als Urteil über das Unternehmen.
Der Fall ist auch dann relevant, wenn nur die Hälfte stimmt
Der Kontext spricht dafür, ihn ernst zu nehmen. CarBuzz veröffentlichte am 31. Oktober einen Beitrag, dessen Überschrift besagt, dass der Austausch der Batterie bei einem fünf Jahre alten Taycan mehr kostet als ein neuer Toyota Camry. Uns liegt nur die Überschrift vor, nicht die Zahlen, daher nennen wir keine Preise. Die Botschaft ist dennoch klar: Der Akku ist kein Verschleißteil, das man achselzuckend hinnimmt. Unserer Einschätzung nach ist er der finanzielle Schwerpunkt des Autos.
Kann ein Hersteller also argumentieren, dass ein paar Millimeter Schaden an einer Schutzabdeckung die Garantie infrage stellen, trägt der Käufer ein sehr großes, sehr ungleich verteiltes Risiko. Vielleicht ist die Verformung tatsächlich für die Unversehrtheit des Akkus relevant. Vielleicht auch nicht. Das Problem: Am Tag des Kaufs kann der Käufer das nicht wissen, und genau das halten wir für nicht vertretbar.
Gebrauchtkäufer tragen ein Risiko, das sie nicht beziffern können
Bei einem Verbrenner ist ein verschlissenes Teil meist eine Reparatur. Bei einem Elektroauto kann eine einzige umstrittene Klausel zu einem sehr teuren Verlust werden. Dennoch lassen sich die Bedingungen, die darüber entscheiden, etwa was als Schaden gilt, wer prüft, welche Nachweise nötig sind und ob die Vorgeschichte eines Vorbesitzers eine Rolle spielt, vor dem Kauf kaum nachlesen oder vergleichen.
Der Gebrauchtmarkt fügt eine weitere Ebene hinzu. Die von uns gesichteten Angebote reichen von Privatverkäufen, die laut Coches.net ohne Garantie und Zertifizierung erfolgen und eine sorgfältige Prüfung sowie möglichst eine unabhängige technische Untersuchung erfordern, bis zu Angeboten mit einem Jahr Garantie, die sich auf bis zu drei Jahre verlängern lässt. Dabei handelt es sich um Verkäufergarantien und, soweit wir sehen, nicht um die Batteriegarantie des Herstellers; ein Käufer könnte beides leicht verwechseln. Genau diese Verwechslung rächt sich später.
Unsere Einschätzung: Der Rat zu einer unabhängigen Prüfung ist vernünftig, kann aber nicht die ganze Antwort sein. Wenn 5 mm Verformung genügen, um eine Garantie zu gefährden, hat der Käufer Anspruch darauf, diese Schwelle vor der Zahlung zu kennen, nicht danach.
Ein vernünftiges System braucht drei Korrekturen, keine davon exotisch
- Veröffentlichte Kriterien in verständlicher Sprache. Welche Arten von Schäden am Akku oder an seiner Abdeckung lassen den Schutz erlöschen, und welche erfordern lediglich eine Prüfung?
- Eine Prüfung vor dem Kauf. Käufer oder Händler sollten vom Hersteller schriftlich bestätigen lassen können, dass die Batteriegarantie für genau dieses Fahrzeug, einschließlich Fahrzeug-Identifizierungsnummer, gültig ist, bevor Geld fließt.
- Verhältnismäßigkeit und Einspruchsmöglichkeit. Ein Schaden an einem Schutzteil sollte den Schutz für den dahinterliegenden Akku nicht automatisch aufheben, es sei denn, der Hersteller weist einen ursächlichen Zusammenhang nach; zudem sollte es einen unabhängigen Weg geben, die Entscheidung anzufechten.
Regulierungsbehörden und Branchenverbände könnten das wahrscheinlich schneller vereinheitlichen als jede einzelne Marke. Transparenz bei Garantien ist eine günstige Lösung im Vergleich zu dem Schaden, den solche Fälle für das Vertrauen in gebrauchte Elektroautos anrichten. Dieses Segment braucht dieses Vertrauen unserer Einschätzung nach am dringendsten, damit die Elektrifizierung auch Käufer erreicht, die sich keinen Neuwagen leisten können.
Bis die Regeln klar sind: schriftlich bestätigen lassen
Aus einer einzelnen Schilderung sollte man nicht schließen, dass Porsche in böser Absicht handelt. Man sollte den Fall aber auch nicht beiseiteschieben. Wer ein gebrauchtes Elektroauto erwägt, besonders ein Premium-Modell, sollte sich den Garantiestatus der Batterie für genau dieses Fahrzeug schriftlich bestätigen lassen, den Unterboden und die Akku-Abdeckung prüfen und von jedem Verkäufer Abstand nehmen, der nicht helfen kann oder will. Und sollte sich der Vorwurf bestätigen, müsste Porsche sowohl den Fall als auch die Regeln korrigieren. Käufer sollten die Bedingungen für das teuerste Bauteil ihres Autos nicht auf die harte Tour erfahren müssen.
Noch keine Themen: Eröffne das erste.
Weitere Artikel
Range Rover Electric muss nicht effizient sein, kommt aber um die Rechnung nicht herum
Land Rover erklärt, das effizienteste E-Auto der Welt zu bauen, sei nie das Ziel des ersten elektrischen Range Rover gewesen. Erfrischend, doch Käufer prüfen weiter Reichweite und Ladekosten.
Die globalen 4 % bei E-Autos sind der Durchschnitt aus drei Geschichten
Europa legt zu, Nordamerika sinkt, China setzt auf Export: Die Wachstumszahl verdeckt einen gespaltenen Markt. Wer sie als Stagnation liest, übersieht, wohin sich E-Autos entwickeln.
Der Polestar 2 ist Geschichte – sein Nachfolger braucht mehr als gutes Aussehen
Rund 200.000 Einheiten später verabschiedet sich der Polestar 2. Sein 800-Volt-Nachfolger kann nicht vom Design leben: Er muss bei Laden, Software und Alltag überzeugen.
Der Li Auto Li 6 sieht aus wie ein TGV, doch Europa kauft nach Preis und Service
Das erste Elektroauto von Li Auto in Europa hat eine Form, die sonst niemand bietet. Doch Skurriles bringt eine Probefahrt, keine Unterschrift. Preis, Laden und Service entscheiden.



