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Drivesfera-Redaktion
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Der Polestar 2 ist Geschichte – sein Nachfolger braucht mehr als gutes Aussehen

Rund 200.000 Einheiten später verabschiedet sich der Polestar 2. Sein 800-Volt-Nachfolger kann nicht vom Design leben: Er muss bei Laden, Software und Alltag überzeugen.

Veröffentlicht
31. Oktober 2026
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3 min
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Foto: Alexander-93 / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Ist ein schönes Elektroauto ein Geschäftsmodell? Der Polestar 2 hat diese Frage seine gesamte Laufbahn über auf die Probe gestellt, und sein Abschied ist ein guter Moment, die Antwort zu benoten.

Die Fakten sind schnell erzählt. Wie Motor.es berichtet, ist die Produktion des Vorzeige-Elektroautos der Marke in China nach rund 200.000 Einheiten beendet worden. Ein komplett neuer Nachfolger soll Anfang 2027 kommen, mit 800-Volt-Technik in Aussicht.

Respektabel ist nicht gleich entscheidend

Rund 200.000 Fahrzeuge sind kein Flop. Für eine junge Marke ist es das Auto, das laut einem spanischen Medium eine grundlegende Rolle dabei spielte, Polestar als eigenständigen Hersteller zu etablieren. Das verdient Anerkennung.

Aber unserer Ansicht nach zeigt der Polestar 2 auch die Obergrenze der Formel vom „begehrenswerten E-Auto“. Design öffnet die Tür; es hält den Kunden nicht im Haus. Ein Auto, das beim Start gut aussah, war am Ende ein alterndes Produkt auf einer elektrischen Architektur, die die nächste Generation voraussichtlich hinter sich lässt. Zu Absatzentwicklung und Preisen der letzten Jahre liegen uns keine Daten vor, also tun wir nicht so, als wüssten wir, wie sie verliefen. Sagen können wir: Die Marke brauchte einen Ersatz, und der Übergang sieht alles andere als nahtlos aus. Die Produktion ist gestoppt, während der Nachfolger erst Anfang 2027 erwartet wird – es dürfte also eine Lücke geben.

Diese Lücke sind die eigentlichen Kosten des Abgangs. In einem Markt, in dem Kunden Ladekurven und Software ebenso genau vergleichen wie Scheinwerfer, ist ein paar Monate Funkstille ein Risiko und keine Randnotiz.

Der 800-Volt-Sprung ist der leichte Teil

Die interessante Wette liegt beim Nachfolger. Laut EV Powered wird der Name Polestar 2 in neuer Gestalt weiterleben, und „nahezu sicher“ tauscht er die 400-Volt-Architektur des Auslaufmodells gegen die 800-Volt-Plattform SPA3, die er sich mit Volvo teilt. Diese Plattform bildet die Basis des rein elektrischen Volvo EX60, und dessen Antriebsstrang kann dem Medium zufolge eine Reichweite von mehr als 500 Meilen (rund 800 km) bieten. Das ist als Prognose zu verstehen, nicht als Datenblatt: Es geht um die Plattform, nicht um eine bestätigte Zahl für den neuen Polestar. Auch andere spanische Medien erwarten einen großen Fortschritt bei Reichweite und Ladezeit.

Unsere Meinung dazu: Dieser Sprung ist nötig, doch niemand wird ihn lange feiern. Schnelleres Laden und mehr Reichweite setzen Käufer inzwischen voraus, sie begeistern sie nicht mehr. Kommt der neue Wagen mit 800 Volt und sonst unverändert, hat Polestar das Datenblatt repariert und das Kundenerlebnis unangetastet gelassen.

Preis, Software und Service entscheiden die zweite Runde

Was muss also besser werden? Aus unserer Sicht drei Dinge.

Preis. Für das neue Modell wurde keine Zahl veröffentlicht, es bleibt also reine Erwartung: Eine fortschrittlichere Plattform verleitet Marken tendenziell zu einem höheren Preisschild. Polestar sollte dem widerstehen. Ein stilvolles Auto zum Premiumpreis ist ein Nischenprodukt; ein stilvolles Auto zu einem vernünftigen Preis ist ein Volumenprodukt. Die Marke muss entscheiden, welches von beiden sie sein will.

Software. Die gemeinsame Plattform mit Volvo bietet die Chance, ausgereifte, polierte Software zu übernehmen, statt sie neu zu erfinden. Fühlt sich der Wagen an wie ein Laptop, der sich zuverlässig selbst aktualisiert, rechtfertigt das Design seinen Platz. Fühlt er sich an wie eine Betaversion, wird das Design zum Trostpreis.

Service. Das ist das unglamouröseste und wohl entscheidendste Thema. Eine Marke, die vor allem über ihr Image verkauft, muss dieses mit verlässlichem Service, Ersatzteilen und Support untermauern, besonders in Märkten ohne lange Händlertradition. Wie Polestar hier abschneidet, wissen wir nicht – genau deshalb weisen wir darauf hin: Hier kann eine junge Marke unbemerkt die Kunden verlieren, die ihr Design gewonnen hat.

Unser Fazit

Der Polestar 2 hat seinen Job getan: Er hat die Marke auf die Landkarte gebracht, und es wurden rund 200.000 Fahrzeuge gebaut. Sein Vermächtnis ist aber auch eine Warnung. Das Aussehen hat Polestar Aufmerksamkeit verschafft; es wird nicht reichen, um gegen Rivalen gewählt zu werden, die beim Stil inzwischen gleichziehen.

Wer 2027 das neue Auto kaufen will, sollte auf echte Preise und echte Software-Eindrücke warten, bevor das Blech den Kopf verdreht. Und Polestar sollte die 800-Volt-Plattform als Startlinie begreifen, nicht als Ziel. Der nächste Polestar 2 muss nicht schöner sein. Er muss leichter zu kaufen, leichter im Alltag und leichter zu vertrauen sein.

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