20 % mehr Reichweite: starke Schlagzeile, aber noch keine Batterie zum Kaufen
Deutsche Medien berichten über US-Batterietechnik mit einem Drittel mehr Energie und rund 20 % mehr Reichweite ohne Mehrkosten. Ohne Produktions-, Kosten- und Haltbarkeitsdaten bleibt es ein Versprechen.
Foto: Wolfmann / Wikimedia Commons (CC BY 4.0)
Würden Sie Ihren nächsten Autokauf ändern, weil es eine Batterie gibt, die noch bei keinem Händler steht? Alle paar Monate kommt eine E-Auto-Batterie mit einer großen Prozentzahl daher, und alle paar Monate lautet die vernünftige Reaktion gleich: schön, zeigt es uns.
Diesmal lautet die Zahl 20 %. Das deutsche Medium Auto Bild berichtet, dass die LMR-Batterie eines US-Herstellers ein Drittel mehr Energie liefern könnte als ein herkömmliches Paket gleicher Größe. Ein weiterer deutscher Text besagt, eine US-Gruppe stelle ungefähr 20 % mehr Reichweite pro Kilowattstunde in der Batterie in Aussicht, und zwar ohne Mehrkosten. Dieser zweite Text erwähnt LMR in dem, was uns vorliegt, nicht; wir gehen daher ohne Bestätigung davon aus, dass beide dasselbe Vorhaben beschreiben. Er enthält zudem den wichtigsten Vorbehalt: Das heißt nicht automatisch, dass jedes Modell 20 % weiter fährt.
Zwischen Labor und Windschutzscheibe ändert sich die Zahl
Schon jetzt haben wir zwei Werte: ein Drittel mehr Energie und etwa 20 % mehr Reichweite. Beschreiben sie dieselbe Batterie, können beide stimmen, ohne sich zu widersprechen – und genau das ist das Problem. Energie im Akkupaket und Kilometer auf der Autobahn sind verschiedene Dinge, und dazwischen liegen Gewicht, Aerodynamik, Geschwindigkeit, Temperatur und die Abstimmung des Herstellers. Unserer Ansicht nach ist eine Schlagzeilenzahl zur Zellenergie ein Versprechen über ein Bauteil, nicht über Ihren Arbeitsweg.
Weitere Unterlagen deuten in dieselbe Richtung. Eine Reichweitentabelle auf Basis von ADAC-Testwerten, veröffentlicht von Der Auto-Blogger, verdeutlicht, dass eine große Batterie allein keine hohe Reichweite garantiert. Wenn Größe allein nicht reicht, wird auch eine dichtere Chemie nicht auf magische Weise helfen. Über die größte Reichweite entscheidet weiterhin die Effizienz.
„Ohne Mehrkosten“ glauben wir am wenigsten
Der verlockendste Teil des Versprechens ist, dass der Gewinn ohne zusätzliche Kosten kommt. Wir würden das als Ziel behandeln, nicht als Tatsache. Die Unterlagen nennen weder Produktionsmengen noch Paketpreis, Zulieferer oder Daten zur Zyklenfestigkeit. Ohne diese ist „ohne Mehrkosten“ ein Marketingsatz.
Die Haltbarkeit ist die zweite Leerstelle. Eine Batterie, die mehr Energie speichert, aber schneller altert oder schonenderes Laden braucht, um zu überleben, kann ihren Vorteil in den Jahren verlieren, die für Besitzer zählen. Nichts, was uns vorliegt, geht darauf ein, also tun wir nicht so. Unsere Vermutung, und es ist nur eine Vermutung: Der eigentliche Test wird sein, ob die Chemie in Serienfahrzeugen bestehen kann und nicht nur in Prototypen-Paketen.
Die Reichweite bremst den Markt nicht mehr
Hier nimmt sich der Hype etwas zurück. Elektroautos scheinen nicht auf diese Batterie zu warten. Watson.ch berichtet, dass sich im September in Europa 30,5 % der privaten und gewerblichen Neuwagenkäufer für ein Elektroauto entschieden, nach dem Bericht 60 % mehr als ein Jahr zuvor. Zudem zitiert es Berechnungen des Fraunhofer ISI, wonach die Preise neuer Elektroautos zwischen 2020 und 2025 inflationsbereinigt um 18 % sanken.
Diese Zahlen legen nahe, dass Käufer durch Preis und Betriebskosten gewonnen werden, nicht durch eine Durchbruchszelle. Ein Reichweitenplus von 20 % wäre willkommen, besonders auf der Autobahn und im Winter, aber es wäre ein Upgrade für einen Markt, der sich bereits bewegt, nicht der Schlüssel, der ihn öffnet. Unserer Ansicht nach würde der günstige Teil des Versprechens das Spiel am meisten verändern, nicht der weite.
Was Sie mit dieser Nachricht anfangen können
Wer jetzt ein Elektroauto kaufen will, sollte nicht auf diese Batterie warten. Kaufen Sie nach der Reichweite, die Sie wirklich brauchen, mit Reserve für Kälte und Autobahntempo, und betrachten Sie künftige Zugewinne als Bonus. Wer die Branche verfolgt, sollte auf drei Dinge achten: ein benanntes Fahrzeug mit Starttermin, einen veröffentlichten Paketpreis und unabhängige Haltbarkeitsergebnisse. Bis mindestens eines davon vorliegt, ist die LMR-Geschichte vielversprechend, aber unbewiesen, und „20 %“ eine Zahl zum Ablegen, nicht zum Verbuchen.
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